Psyche und GehirnAm 22. März findet an der ETH Zürich der "Tag der offenen Tür" zur Brain Fair 2003 mit diversen Podiumsgesprächen statt. Während der "Woche des Gehirns" wird erstmals dargestellt, wo und wie im Gehirn Emotionen entstehen und welche Effekte sie erzeugen. Zusehends gelingt es der Forschung, die Geheimnisse des Wunderwerks Gehirn zu lüften.
Ist der Mensch seinen
Emotionen ausgeliefert? Unsere hervorgehobene Position als Menschen erklärt sich vermutlich aus unserer Fähigkeit, emotional bereits in Gang gesetzte Programme "bremsen" oder "variieren" zu können. Das Bewusstsein eröffnet uns also "Alternativen" zu den im "Emotionsgehirn" bereits fertig entworfenen und durch Aussenreize abgerufenen Programmen. Dadurch macht es uns variabler und zugleich anpassungsfähiger an komplizierte Situationen. Menschlicher Fortschritt dürfte somit vor allem auf der Fähigkeit beruhen, Emotionen kontrollieren, stoppen und modulieren zu können. Zugleich erklärt sich so das Leid mancher Menschen, die sich ihren Emotionen "ausgeliefert" fühlen und unter Angststörungen leiden, süchtig werden, sich aggressiv verhalten, Essstörungen haben usw., und diese Vorgänge auch nicht verstehen können. Solche Menschen darf man nicht verachten oder belächeln. Denn es ist extrem schwer, Emotionen mit dem Verstand zu kontrollieren. Dies liegt daran, dass weitaus mehr Nervenverbindungen Informationen von den Emotionszentren zu den Verstandeszentren leiten als umgekehrt.
Ängste und ihre
Ursachen An einem andern Podium wird erläutert, was Hirnforschung zu "Ängsten und Panikzuständen im Alter" zu sagen hat. Stimmungen ergreifen den ganzen Menschen und seine Umwelt. Oft scheint von aussen zu kommen, was sich im Gehirn anbahnt: Angstzustände und Depressionen, aber auch Hochgefühle und Euphorien. Die Angst kann ein wichtiger Schutzfaktor, aber auch krankhaft verzerrt sein. In Kurzreferaten werden im Wechsel mit Theaterszenen Problematik, Lösungswege und Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Denn Störungen menschlichen Verhaltens - psychische Erkrankungen - verursachen oft familiäre und gesellschaftliche Probleme. Beim Forum zu Gewalt/Aggressivität und Kinderschutz geht es darum, wie sich Aggression aus neuropsychologischer Sicht ausnimmt und wie Gewalttäter auf ihre Gefährlichkeit beurteilt werden können. Ein weiteres Thema ist Schizophrenie. Dabei wird aufgezeigt, was die Reintegration in die Gesellschaft behindert und wie sich das Leben einer Familie verändert, wenn ein Angehöriger daran erkrankt. Das gewonnene Wissen soll helfen, Sprachlosigkeit und Ohnmacht bei der Begegnung mit lang tabuisierten Krisenerscheinungen abzubauen.
Die Wirkung von Musik
auf die Psyche Jeder Mensch soll seine eigene individuelle Musik oder Klangformation in sich tragen. Der Computer analysiert die mittels einem EEG der Stammhirnregion des Patienten gewonnenen Wellen und setzt sie in Klangfolgen um. Spielt man diese den Patienten täglich mehrmals während zehn Minuten vor, können damit zum Beispiel chronische Kopfschmerzen wirksam behandelt werden. Es ist eine neuartige, erfolgreiche Methode, womit der Migräne, chronisch-neurogenen Schmerzen und verschiedenen Stresserscheinungen begegnet werden kann. Das Wirkprinzip der so genannten Psychofonie gründet darauf, Reaktionsmuster funktioneller Störungen, soweit sie nicht Signale organischer Störungen sind, zu korrigieren oder gar zu löschen. Tonfolgen, erstellt aus dem Hirnstrombild (EEG) im normalen, beschwerdefreien Ruhezustand, werden dem Stammhirn über das Gehör übermittelt. Durch regelmässiges Einwirken dieser Sequenzen erfolgt eine Normalisierung der Reaktionsmuster und dadurch in den meisten Fällen eine Reduzierung der Störungen bis zur vollständigen Beschwerdefreiheit. Dies ist der wesentliche Bestandteil der Psychofonie, einer Neurotherapie, die der Physiker Bruno Fricker und der Arzt Klaus Tereh kürzlich in ihrem Buch "Psychofonie - die heilkräftige Klangquelle in meinen Kopf" vorgestellt haben. Schon immer war bekannt, dass Musik Einfluss aufs Gemüt des Menschen hat. Neu ist das systematische Vorgehen und der Einsatz des Computers als Analyse- und Kontrollinstrument.
Lernen - die
Lieblingsbeschäftigung des Gehirns Unser Gehirn produziert jeweils seine eigene Version von Welt und Realität aufgrund der individuellen Errfahrungen eines Menschen. Solche Repräsentationen sind in der Grosshirnrinde landkartenförmig strukturiert. Durch Computersimulationen lässt sich zeigen, dass solche Karten ganz von allein dadurch entstehen, dass neuronale Netzwerke von einem bestimmten Typ Muster verarbeiten. Damit ist noch nicht gesagt, dass die Grosshirnrinde auf genau die gleiche Weise funktioniert wie diese Computermodelle. Aber es konnte zum Beispiel nachgewiesen werden, dass die akustische Landkarte bei Musikern grösser ist als bei Nichtmusikern. Ein wichtiger Gesichtspunkt ist auch, dass Menschen unterschiedlich lernen und das Ausmass des Lernens von der Wichtigkeit des Impulses abhängt.
Faszination Gehirn Von allen Wundern des menschlichen Körpers ist das Gehirn das grossartigste. Die Wissenschaftler sagen, unsere Gedanken und Absichten entstünden aus einer Kombination von elektrischen Impulsen und chemischen Prozessen. Wer aber setzt diese in Gang? Die Bibel verzeichnet die Frage des weisen Hiob: "Wer hat dem Geist Verstand gegeben?" (Hiob Kapitel 38, Vers 36). Tatsache ist, dass wir nur sehr wenig über die Arbeitsweise des Gehirns wissen. Werden wir je alles erfassen? Unvorstellbare Informationsmengen sind im Gehirn speicherbar. Man könnte damit schätzungsweise zwanzig Millionen Buchbände füllen, mehr als die grössten Bibliotheken der Welt umfassen.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|