Mit Psychofonie gegen Migräne

Neues Verfahren mit guten Ergebnissen im Humaine-Klinikum in Bad Saarow angewendet

Von Johannes Rösler

BM Bad Saarow - Kampf gegen Migräne und Kopfschmerz mit Musikklängen vom eigenen Gehirn: Diese Entdeckung wurde in der Humaine-Klinikum in Bad Saarow (Oder-Spree) gemacht. Psychofonie nennt Prof. Hans-Georg Trzopek, Chefarzt für Neurologie und Psychiatrie das von ihm entwickelte Verfahren.

Nach über zwei Jahren kann er jetzt eine positive Bilanz dieser Musiktherapie ziehen. Immer mehr Menschen, insbesondere Frauen, wenden sich an ihn, um den bohrenden Schmerz im Kopf loszuwerden. "Mein Zustand hat sich schlagartig gebessert", berichtet Petra Radon aus den Hornitex-Werken in Beeskow.

Zehn Jahre lang erlitt sie mindestens zweimal im Monat Migräneanfälle: "Ich konnte manchmal nicht geradeaus schauen, mein Gesichtsfeld war eingeschränkt. Es ging bis zum Erbrechen." Bis zu drei Tage mußte sie oft pausieren: "Das läßt sich auf Dauer kein Arbeitgeber gefallen." Jetzt sei alles fast wie weggeblasen. Nur einmal im Monat bekommt sie nur noch sehr schwach Migräne.

So wird die Gehirnmusik "produziert": Vom Patienten werden mit einem Elektroenzephalograph (EEG) die Gehirnströme aufgezeichnet. Die aus dem Schmerzzentrum ermittelten Frequenzen werden mit Hilfe eines Computerprogramms in eine chromatische Tonfolge umgewandelt.

Diese werden in Instrumentenklänge umgesetzt und auf Tonbandkassette gespeichert. Die aus der eigenen Gehirnstromaktivität erzeugte "Gehirnmusik" muß der Patient mehrmals am Tag einige Minuten hören. Die Klangfolgen regularisieren über das Gehör im Schmerzzentrum gestörte Funktionen, wirksam und nebenwirkungsfrei - und ohne Pillen. "Es wirkt wie die Reset-Taste beim Computer", versucht Prof. Trzopek die Wirkungsweise des Verfahrens anschaulich zu erklären. Es überschreibt vorhandene Programme bzw. Muster. Prof. Trzopek bezeichnet diese Krankheiten deshalb als "Software-Krankheiten".

Das Verfahren kann für viele Beschwerden und Krankheiten eingesetzt werden. Es hilft nicht nur bei Migräne und Kopfschmerz, auch Nervosität, Schlafstörungen und Angstgefühle können damit beseitigt werden. Selbst Magen- und Darmbeschwerden sind therapierbar. Einschränkend gibt jedoch Prof. Trzopek zu bedenken: Die Kosten in Höhe von fast 700 Mark für die Psychofonie muß der Patient selbst tragen. Bisher werden sie von keiner Krankenkasse übernommen. jorö

© Berliner Morgenpost 2001