Montag, 05.11.2001 LEBEN KURIER 20


Disharmonische Töne
können Migräne lindern

Psychophonie: Die Anfallshäufigkeit wird reduziert

von Alexander Indra

Migräne ist eine der häufigsten Volkskrankheiten: Viele Frauen, aber auch Männer leiden unter den anfallsartigen starken Kopfschmerzen, die häufig mit Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit einhergehen. Viele Therapien - schulmedizinisch oder alternativ - sind in den letzten Jahren mit wechselhaften Erfolgen eingesetzt worden.

Auf schulmedizinischer Seite gilt vor allem die Einführung der neuen Medikamentengruppe der Triptane als Meilenstein in der Anfallsbehandlung. Bei einem akuten Migräneanfall führen sie binnen weniger Minuten zur Verbesserung der Symptome. Ein großes Problem stellt jedoch die Vorbeugung gegen Anfälle dar. Mit Akupunktur, Massagen, Diäten und anderen Techniken versuchen die Betroffenen, ihre Lebensqualität zu verbessern, doch ist in vielen Fällen die Wirksamkeit fraglich. Effiziente medikamentöse Therapien zur Anfallsverhinderung sind auf Grund der zahlreichen möglichen Nebenwirkungen nur bei sehr schweren Migräneformen empfehlenswert.

WENIGER ANFÄLLE Eine neue Methode, die Psychophonie, verspricht deutliche Erfolge, die Anfallshäufigkeit bei Migräne zu verringern: Und das ohne den Einsatz belastender Medikamente und zeitraubender Arzt- oder Heilpraktikerbesuche.

„Mit Hilfe eines EEG werden Gehirnströme aufgezeichnet, die dann mittels komplizierter Berechnungen am Computer zu Tönen umgewandelt werden“, erklärt der Neurologe Dr. Udo Zifko, Primarius im Rehabilitationszentrum Bad Pirawarth. Es ist keine Musik, die der Patient nach einigen Tagen auf CD oder Musikkassette vom Arzt erhält, sondern es sind zum Teil disharmonische und unrhythmische Tonfolgen. Diese kann der Anwender mehrmals täglich während der Arbeit oder Autofahrt auf sich wirken lassen, oder sich bewusst einige Male täglich dafür Zeit nehmen.

MEHR WOHLBEFINDEN „Das Ohr ist ein direkter Kanal zu den ältesten Regionen des Gehirns, die die Körperfunktionen steuern - und ebenso die Schmerzempfindungen“, erklärt Zifko. „Durch die regelmäßige Anwendung der psychophonischen Tonfolgen werden diese Zentren positiv beeinflusst und so das Wohlbefinden des Patienten gesteigert“.

Schon seit Jahrtausenden ist die beruhigende Eigenschaft von Musik auf Menschen bekannt, viele Entspannungstechniken arbeiten mit begleitender Musikunterstützung, die fast immer aus einfachen Akkorden und Rhythmen besteht. Die Wirkung entfaltet sich aber durch bewusstes Hinwenden und Mitgehen mit der Musik: Nur so hat sie einen beruhigenden Effekt.

Im Unterschied dazu haben Psychophonie-Töne den Vorteil, bei bewusster oder beiläufiger Zuwendung den gleichen Effekt zu erzielen. „In den letzten Jahren wurde vor allem im komplementären Medizinbereich viel Bauernfängerei betrieben, im Gegensatz dazu werden psychophonetische Behandlungen nur von erfahrenen Ärzte durchgeführt“, so ein Experte. So können unseriöse Praktiken verhindert und eine Dokumentation des Therapieerfolges gewährleistet werden.

So unglaublich die Methode der Psychophonie auch klingen mag - sie funktioniert. Zahlreiche Studien in den letzten Jahren haben bewiesen, dass vor allem bei Migräne gute Erfolge bis hin zur Anfallslosigkeit erzielt werden können. Für Patienten, die genug von rein medikamentöser Behandlung haben, auf jeden Fall eine willkommene Alternative.

Praxis Dr. Udo Zifko, Hofstattg. 5, 1180 Wien.

www.klinik-pirawarth.at/