Abt. für Psychosomatische
Medizin
und Psychotherapie mit Ambulanz/p>
an der Medizinischen
Fakultät der
Friedrich-Alexander-Universität, Erlangen-Nürnberg
Leiter: Prof. Dr. P. Joraschky
HUMAINE Klinikum
Bad Saarow / Brandenburg
Klinik für Neurologie und Psychiatrie
Chefarzt Prof. Dr. H.-G. Trzopek
Neurologische
Abteilung der
Landesnervenklinik Salzburg
Vorstand: Hofrat Univ. Prof. Dr. G. Ladurner
Psychofonie
bei Kopfschmerz
Symposium
der Forschungsgruppen zur Psychofonie®
München, 31. Oktober 1997
1. Neurophysio- und psychologische Hypothesen zur Wirkung der Psychofonie - ein Überblick
3. Verbesserung der Befindlichkeit von Migränepatienten unter Psychofonie - eine Pilotstudie
1. Neurophysio- und psychologische Hypothesen zur Wirkung der Psychofonie - ein Überblick
H.-G. Trzopek
Die genauen neuro- und psychophysiologischen Grundlagen funktioneller Störungen, insbesondere der Migräne, sind trotz aller Fortschritte der medizinischen Forschung noch weitgehend unbekannt. Vermutlich spielt die Entstehung pathologischer Reaktionsmuster durch Fehlprogrammierung in hinstammigen neuronalen Netzen eine wichtige Rolle.
Die Fähigkeit der neuronalen Netze, Reaktionsmuster den äusseren und inneren Bedingungen anzupassen und damit die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus generell zu gewährleisten, kann zur Konditionierung bei funktionellen Störungen genutzt werden. Diese Lern- und Anpassungsfähigkeit ist letztlich die Grundlage aller physikalisch-therapeutischen und entspannungstherapeutischen Massnahmen, deren Wirksamkeit unbestritten und anerkannt ist.
Voraussetzung zur Anregung eines derartigen Konditionierungs- oder Lernvorgangs ist die regelmässige Anwendung physikalischer Reize oder psychotherapeutischer Einflüsse, für die zum Zeitpunkt der Anwendung noch kein adäquates Reaktionsmuster vorhanden ist. Diese dem Gehirn immanente Lern- bzw. Anpassungsfähigkeit wird bei der Psychofonie genutzt. Durch die Anwendung auditorischer Reaktionsabläufe wird eine sehr hirnstammnahe Wirksamkeit erreicht.
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2. Ein auditorisches neurophysiologisches Interventionsverfahren bei Migräne - Resultate einer retrospektive Studie
E. Trinka, H.-G. Trzopek
Für die Behandlung der Migräne gibt es trotz aller schmerztherapeutischen Fortschritte noch kein ausreichendes Therapiekonzept. Als eine alternative Therapieform hat sich ein auditorisches Interventionsverfahren (Klangtherapie mittels Psychofonie®) in einer offenen Anwendungsbeobachtung als für viele therapieresistente Migränepatienten sehr hilfreich erwiesen. Die Therapie besteht in einer vierwöchigen Applikation von aus dem EEG des Patienten rechentechnisch generierten Tonfolgen über das Gehör mittels einer Tonbandkassette.
Unter 128 langjährigen therapieresistenten Migränepatienten gaben 82% anhand eines Selbsteinschätzungsfragebogens einen positiven therapeutischen Effekt an. Darunter konnte bei 28% durch die Verminderung der Anfallsfrequenz und der Anfallsintensität eine Reduzierung des Medikamentenkonsums erreicht werden. 11% der behandelten Patienten blieben langfristig weitgehend anfallsfrei. Die guten Behandlungsergebnisse eröffnen Anwendungsmöglichkeiten bei anderen funktionellen Störungen und Schmerzzuständen.
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3. Verbesserung der Befindlichkeit von Migränepatienten unter Psychofonie - eine Pilotstudie
K. Rhyner
Die Psychofonie ist ein Therapieverfahren, dass für Behandlung von funktionellen Beschwerden und Schmerzzuständen eingesetzt wird. Dabei macht man sich die Wirkung von Klangfolgen, die aus dem patienteneigenen EEG abgeleitet werden, auf die vegetativen und emotionalen Zentren im Mittel- und Zwischenhirn zunutze. In die vorliegende Studie eingeschlossen wurden primär 55 Patienten mit migräniformen Kopfschmerzen. 11 Patienten entfielen aus der Studie, da sie die Psychofonie weniger als einen Monat lang durchführten, oder infolge Wegzugs nicht mehr kontrolliert werden konnten. Von den 44 in der Studie verbliebenen Patienten sind bisher alle über mindesten einen Zeitraum von 9 Monaten beobachtet worden. Bereits deren 40 konnten nach 12 Monaten befragt werden.
Als Beurteilungskriterien der Therapie galten 1. Die Anfallshäufigkeit 2. die Intensität des Kopfschmerzes sowie 3. der Schmerzmittelkonsum vor und während der Psychofonie- Therapie. Die drei Kriterien wurden anhand eines detaillierten Fragebogens ermittelt. Die Patientenbefragung wurde nach 1, 6, 9 und 12 Monaten in einer Sprechstundenkonsultation durchgeführt. Die Therapie wurde von jedem Patienten in den ersten 4 Wochen mindestens 3x täglich angewandt, anschliessend konnte der Patient selbst über die Häufigkeit der Anwendung bestimmen.
Die erzielten Resultate sind wie folgt: Nach einer Anwendungszeit von 6 Monaten gaben 68% der Patienten eine klinische Besserung an, die von leicht bis praktisch vollständig reichte, d. h. 23% der Patienten gaben eine 25%ige Verminderung der Beschwerden an, 20% der Patienten eine 50%ige und 25% eine 75% - 100%ige Besserung ihrer Beschwerden an. Über 9 Monate sind 44 Patienten beobachtet und befragt worden. Davon zeigten 70% eine klinische Besserung, 23% stuften diese Besserung als eine 25%ige Beschwerdeverminderung ein, 20% der Patienten stellten bei sich eine 50%ige Besserung und 27% der Patienten eine Besserung von 75 - 100% ihrer Beschwerden fest. Von den 40 Pat., die nach 12 Monaten befragt werden konnten, zeigen 12% eine 25%ige Besserung, 28% eine 50%ige Beschwerdeverminderung und 30% berichten über eine 75 - 100%ige Beschwerdenbefreiung. Als vorläufige Konklusion kann aus der vorliegenden, noch laufenden Studie geschlossen werden, dass 58% der 40 Patienten nach 12monatiger Beobachtungszeit mindestens eine 50%ige Reduktion der Anfallshäufigkeit und/oder Schmerzintensität und/oder des Medikamentenverbrauchs angaben.
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4. Vergleich der Effekte einer Einführung in eine Entspannungstechnik und der Behandlung mit Psychofonie
auf das Schmerzleben von Kopfschmerzpatienten -
eine prospektive, kontrollierte Untersuchung
T. Loew, H.-G. Trzopek
In der komplementären Therapie von chronischen Kopfschmerzerkrankungen sind Entspannungsverfahren etabliert. Ob die Patienten solche Techniken erlernen und anwenden, ist auch davon abhängig, wie bald sie Effekte für sich bemerken. In einer kontrollierten Studie wurden Patienten mit chronischen Kopfschmerzen einer Gruppe, die ein Entspannungsverfahren erlernte (n=23), eine Kontrollgruppe (n=12) und Patienten, die mit Psychofonie (n=24) behandelt wurden, verglichen. Die Patienten führten einen Schmerzkalender, in dem sie für jede Stunde des Tages dokumentierten, ob ein Kopfschmerz vorhanden war und jeweils die Stärke dokumentierten (Grad 1 "schwach", Grad 2 "mittel", Grad 3 "stark"). Neben der Anzahl der Schmerzstunden der jeweiligen Schmerzstärke pro Monat wurden auch die Anzahl der schmerzfreien Tage und die Gesamtschmerzstunden/ Monat des Monates vor dem Einsatz des jeweiligen Verfahrens und nach dem Einsatz verglichen. Die Psychofoniegruppe stammte aus Brandenburg, die Kontroll- und Entspannungsgruppe wurde in Erlangen rekrutiert. Die Gruppen unterschieden sich nicht hinsichtlich der Alters- und Geschlechtsverteilung.
Eine Gegenüberstellung der intraindividuellen Differenzen der Messgrössen zeigte hochsignifikante Unterschiede zwischen den 3 Gruppen (p=0,0078) hinsichtlich der Schmerzstunden/Monat Grad 3 und der Gesamtschmerzstunden/Monat (p=0,0031), die auch in der direkten Gegenüberstellung der Psychofoniegruppen und der Kontrollgruppe für die Gesamtschmerzstunden/Monat bestätigt werden konnten (p=0,0336).
Schlussfolgerung: In der Phase des Behandlungsbeginnes ist die Psychofonie bezüglich der Befindlichkeitsveränderung bei Kopfschmerzpatienten vergleichbar mit dem Effekt eines Entspannungsverfahrens und bezogen auf die Verbesserung von starken Kopfschmerzen signifikant besser als eine unbehandelte Kontrollgruppe (Beobachtungszeitraum 1 Monat).
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5. Stabilität subjektiver Veränderungen der Befindlichkeit bei Anwendung von Psychofonie im zeitlichen Verlauf -
eine retrospektive Katamnese
B. Fricker, T. Loew
Methodik: Die Schweizerische "Fördergesellschaft der Psychofonie" verschickte im Februar 1997 in der Schweiz unselektiert einen Fragebogen der Abteilung für Psychosomatische Medizin der FAU-Erlangen-Nürnberg, der rückblickend die Wirkung der Psychofonie vor und nach Abschluß der Therapie erfasste. Gesamtbefinden, körperliche Gesundheit, psychische Gesundheit, soziale Kontakte sowie Medikamenteneinnahme und andere Kriterien waren retrospektiv zum Therapiebeginn und zum Ende der Therapie zu beurteilen. Die Indikationen für die Behandlung mit PF waren unterschiedlich, in den meisten Fällen handelte es sich um chronischen Kopfschmerz. Die Beurteilung erfolgte durch Ankreuzen in einer 5stufigen Bewertungsskala zwischen den Extrema "sehr gut/sehr schlecht" resp. "nie/häufig" für Medikamenteneinnahme.
Ergebnisse: Die Anwendungsdauer der Psychofonie lag zwischen einem und 18 Monaten. 174 auswertbare Fragebogen gingen ein. Daraus kann ein Wirkungsprofil über den zeitlichen Verlauf erstellt werden. Zur Auswertung werden die Veränderungen auf den einzelnen Skalen pro Patient für die 135 Patienten mit positiver Wirkung addiert. Ab 6 Veränderungspunkten unter Berücksichtigung der Polung wurde eine deutliche Besserung angenommen. Die Verbesserung ist bei Betrachtung der ganzen Stichprobe für den Zeitraum von 2 bis 18 Monaten stabil und hält sich bei einem Niveau von ³ 6 Veränderungspunkten. Die lineare Regressionsgerade zeigte eine tendeziell zunehmende Besserung. Der Nettoeffekt stellt sich folgendermassen dar: 65 zeigen eine deutlich Besserung (7-23 Besserungseinheiten), 42 zeigen eine mittlere Besserung (3-6 Besserungseinheiten) und 28 erleben die Psychofonie nur geringfügige positiv (1-3 Besserungseinheiten). 37 Pat. stellen keine Wirkung fest. Verschlimmerungen sind 2 vermerkt. (Die Hälfte der Pat. mit keiner oder negativer Wirkung hat sehr hohen Medikamentenkonsum angegeben.) Insgesamt 61% der auswertbaren Fragebogen zeigen demnach eine mittlere oder deutliche Besserung. Von den 135 Pat., welche Besserung verzeichnen, ist diese bei 8 Pat. ausschliesslich auf reduzierten Medikamentenkonsum zurückzuführen. 20 haben Besserung ohne Veränderung des Medikamentenkonsums erfahren. 107 konnten das Befinden verbessern und die Medikamente reduzieren.
Schlussfolgerung: Das Resultat spricht gegen die Auffassung, dass die Wirkung der Psychofonie ausschliesslich auf einem Placebo-Effekt beruht.
[Durchschnittliche Besserung bei 174 Patienten (8kB)] [Mittlere Besserung + Patientenzahl im Verlauf der Zeit (12kB)]
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