Joachim-Ernst Berendt: „Heilen durch Hören“ – Teil 1

J.E.Berendt
Joachim-Ernst Berendt (Foto: www.jaro.de)

Dies ist der 1. Teil der Filmbearbeitung eines erfolgreichen Psychofonie-Symposiums zum Thema „Heilen durch Hören“. Hier kommt Joachim-Ernst Berendt zu Wort, der wie kein Zweiter die Bedeutung des Hörens verstand und beschrieb. Der 1. Teil ist die Einleitung zum 2. Teil, in welchem Joachim-Ernst Berendt selber zu Wort kommt. Hier >klicken um den Film zu starten (Dauer 30 Minuten).
Die anschliessenden Fragen sind in den Kommentaren beantwortet.

12 Gedanken zu „Joachim-Ernst Berendt: „Heilen durch Hören“ – Teil 1“

  1. Denken Sie, dass diese Gehirnmusik über das Leben konstant ist? Dass sie also unterschiedlich sein kann, je nachdem in welcher Entwicklungsphase unseres Lebens wir uns gerade befinden.

    1. Die Psychofonie leitet sich vom individuellen EEG her ab, und sie ist so konstant über das Leben, wie das EEG über das Leben konstant ist. Nun weiss man, dass es im Jugendalter innert eins-zwei Jahren deutliche Veränderungen im EEG geben kann. Dies dauert bis in die Adoleszenz oder darüber hinaus. Später, 20-30 Jahre aufwärts, ist die EEG-Grundaktivität relativ konstant. Etwa ab dem 50. Altersjahr und danach beginnen wieder schnellere Veränderungen. Es findet eine Art Alterungsprozess statt, insbesondere in der Vigilanz, die sich im EEG ausdrückt, und in der frequenziellen Zusammensetzung der EEG-Wellen, und dann muss auch wieder mit einer schnelleren Veränderung der Psychofonie-Klänge gerechnet werden.

  2. Werden die Instrumente nachher dazugefügt zu diesen Klängen oder haben sich die Instrumente tatsächlich aus dieser Person entwickelt?

    1. Die Reihenfolge ist diese: Das EEG kommt in einem unbereinigten Zustand ins Labor. Die sogenannten Artefakte, die durch Bewegungen, Schlucken, Muskelzuckungen u.a. entstehen, entfernen wir aus dem EEG und erst dann machen wird daraus Musiknoten. Es gibt eine richtige Notenschrift, die kann man auch ausdrucken, siehe Bild. Und dann erst, nach den Noten, kümmern wir uns um den Klang. Die Noten müssen alsdann mit Instrumenten belegt werden, und diese wiederum hat der Patient bereits ausgesucht und in einer Tabelle vermerkt, nachdem er sich das EEG ableiten liess. Dem Patienten stehen 40 Klänge zur Auswahl und er muss vier davon auswählen. Er wird ja diese im Jahr ungefähr 1000mal 10 Minuten lang anhören. Das sind 1000 Minitherapien im Jahr. Und da wollen wir ihn nicht quälen mit einem Klang, der ihm nicht zusagt. Er kann die Klänge also selbst mitbestimmen. Er hat Anrecht auf eine für ihn wohl klingende Klangschablone.

    1. Mit einer Ausnahme sind alles elektronische Instrumente, denn dass es eine Eigentherapie sein soll, ist sehr wichtig. Deshalb ist es kein Nachteil sondern eine Notwendigkeit, elektronische Instrumente zu nehmen. Wir wollen eben die Fremdeinflüsse möglichst draussen halten, denn es soll eine Eigentherapie bleiben, von A bis Z. Bereits eine menschliche Stimme oder ein Interpret – ein Musiker, der die Noten nachspielen würde, wäre ein Fremdeinfluss. Die Ausnahme betrifft eine Klavierstimme eines echten hochwertigen Saitenklaviers, das vom Computer gesteuert wird. Die Psychofonie-Nutzer/-innen können auch diesen besonders natürlichen Edelklang wählen, der dann im Labor mit einem guten Mikrofon aufgenommen wird, ohne dass hierfür ein Pianist spielen müsste.

  3. Ich habe noch eine Frage in Bezug auf den Zustand des Patienten in einer EEG-Ableitung. Ist es wichtig das der Patient keine Migräne hat?

    1. Wir denken, dass das recht wichtig ist. Wir sagen den Patienten immer, kommen sie zu uns ins EEG zu einer unserer Therapiestellen , wenn es ihnen gut geht, wenn sie insbesondere keine Kopfschmerzen haben oder nicht gerade im Tief einer Depression drin stecken. Sie können den Termin kurzfristig auch absagen. Kommen sie wenn es ihnen möglichst gut geht. Irgendwie ist dieser gute Zustand, den man selber subjektiv fühlt, in den Wellen repräsentiert. Das lässt sich auch naturwissenschaftlich belegen: Nehmen sie beispielsweise ein POS-Kind. In dem Moment, in dem es unaufmerksam und zappelig wird, kann man nachweisen, dass in seinem gleichzeitig abgeleiteten EEG die Theta-Wellen hochkommen, das sind 4-8 Hertz Rhythmen. Umgekehrt kann es lernen, über Neurofeedback seine Theta-Wellen zu beeinflussen. In dem Moment, wo es ihm gelingt, den Theta-Anteil im EEG zu vermindern, wird es ruhig. Das sind die verschiedenen Seiten derselben Münze. Das hängt Sekunde für Sekunde sehr eng zusammen. Denn das EEG ist Ausdruck des momentanen Befindens.

  4. Es wurde gesagt, dass das Ohr eines der wichtigsten Organe zur Menschwerdung sei. Menschwerdung hat doch etwas mit Bewusstwerdung zu tun. Nun nimmt aber Psychofonie unbewusst Einfluss. Ist das kein Widerspruch?

    1. Zum Ohr und zu der Bewusstwerdung werden wir Herrn Berendt sprechen lassen, er ist heute unsere Autorität auf diesem Gebiet. Die Psychofonie nimmt auf einer vegetativen Ebene Einfluss. Also auf einer tief unbewussten Ebene im Mittelzwischenhirn. Ein ordentlich funktionierendes Vegetativum ist natürlich Voraussetzung des Bewusstseins. Und deshalb ist das kein Widerspruch. Wir sagen ja nicht, dass wir mit der Psychofonie die ganze Phänomenologie des Hörens und der Musiktherapien abdecken, wir haben in der Psychofonie aber eine besondere, auch besonders vegetativ wirksame Therapie mittels Klangfolgen.

  5. Wenn Sie so ein EEG bekommen zu einer Patientin oder einem Patienten, können Sie dann feststellen ob dieser Patient in einem ruhigen Zustand war oder ob er gerade erregt war oder ob er gerade Probleme hatte?

    1. Nein, die Reihenfolge ist genau umgekehrt. Das können wir natürlich nicht feststellen, und im Labor, wenn wir die Wellen sehen, wäre das auch zu spät. Es liegt im Können der Fachperson, die das Patienten-EEG ableitet, dass der Klient befragt wird: „Geht es Ihnen jetzt gut? Fühlen Sie sich wohl?“ Und dass man primär ein Ambiente bietet und Massnahmen ergreift, dass die Patienten sich entspannen vor und während einer EEG-Ableitung. Im Labor konzentrieren wir uns, wie gesagt, auf die Artefakt-Entfernung. Damit wird eine möglichst homogene aber eigen-typische EEG-Grundaktivität in Musiknoten transformieret.

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